Deutsch

Die Verhaltenstherapie hat sich seit den Anfängen stark verändert. Ursprünglich basierte die Verhaltenstherapie auf Lerntheorie, und zielte darauf, Verhalten zu verändern, zum Beispiel durch neues Lernen oder Konditionieren, oder durch Belohnung und Bestrafung. In den 1980er Jahre kam die sogenannte „zweite Welle“ der Verhaltenstherapie auf: die kognitive Verhaltenstherapie. Hier wurden Denkmuster, die zum Beispiel einer Depression zugrunde liegen und meist automatisch ablaufen, beschrieben und in Selbstbeobachtungsprotokolle festgehalten,  mit dem Ziel, ungesunde „irrationale“ negative Denkmuster durch „rationale“ positive Denkmuster zu ersetzen. Die Verbindung zwischen Denken, Gefühle und körperliche Reaktionen wurde beobachtet und beschrieben. Aber wie wir alle wissen, ist es nicht so einfach, alte negative Denkmuster etwas Positives entgegenzusetzen.

In den 1990er Jahren begannen in den USA manche Psychologen und Ärzte, die durch östliche Meditationstechniken beeinflusst wurden (allen voran Jon Kabat-Zinn bei den Ärzten und Marsha Linehan bei den Psychologen), noch einen Schritt weiter zugehen. Sie erkannten, dass es noch hilfreicher ist, die negativen Denkmuster zu erkennen und kommen zu lassen, statt sie zu bekämpfen, um sie dann aktiv loszulassen. Diese Arbeit mündete in die achtsamkeitsbasierte kognitive Verhaltenstherapie und die „Acceptance und Commitment Therapy“ (zu Deutsch: Annahme und Verpflichtungstherapie), die jetzt die „dritte Welle“ der Verhaltenstherapie genannt werden.

Die Achtsamkeitsbasierte Arbeit zielt darauf, durch regelmäßige Übung, sich selber besser kennenzulernen und liebevoller zu begegnen.  Durch achtsame Beobachtung des Atmens, der körperlichen Empfindungen, der Gefühle und der Gedanken, wird geübt, immer mehr im Hier und Jetzt anwesend zu sein, anstatt sich in lebenshemmenden Grübeleien über Zukunft oder Vergangenheit zu verlieren. Gleichzeitig wird geübt, sich selber mit all seiner Fehlbarkeit und die Realität mit allen Höhen und Tiefen radikal anzunehmen, um so Glück, Zufriedenheit und Selbstwert zu stärken.

Die Acceptance und Commitment Therapy (es gibt noch keine übliche Übersetzung davon, weil das Wort commitment sehr schwer zu übersetzen ist) geht noch einen Schritt weiter. Acceptance, also Annahme, zielt auf diese radikale Annahme von sich selber und der Realität mit allen unangenehmen Gefühlen und schmerzhaften Erfahrungen, wie eben beschrieben. Commitment, also eine Art Selbstverpflichtung, zielt darauf, die eigenen tiefsten Werten zu identifizieren und danach zu leben, auch wenn ich dabei Angst oder Schmerz empfinde, auch wenn es mir schwer fällt – und das ohne auf bekanntes problematisches Verhalten, sei es Rückzug, Panik, Essattacken, Selbstverletzung, Sucht, zurückzugreifen. Ich übe, unangenehme Gefühle zu benennen und loszulassen, ohne mich danach zu richten.

Literatur:

Matthias Wengeroth, Das Leben Annehmen: die neue Acceptance und Commitment Therapy

Jon Kabat-Zinn, Gesund durch Meditation

Jon Kabat-Zinn, Ruhe im Alltag finden

CDs:

Jack Kornfield, Meditation für Anfänger

Jon Kabat-Zinn und Ulrike Kesper-Grossman, Die heilende Kraft der Achtsamkeit


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